Erzbistum Hamburg als Leuchtturm menschenzugewandter Sexualethik

„Es kann doch nicht sein, dass wir Gläubigen dauernd bei den Bischöfen bleiben müssen und die bleiben nicht mehr bei uns.“1

Die Ablehnung des Grundtexts „Leben in gelingenden Beziehungen – Grundlinien einer erneuerten Sexualethik“ auf der IV. Synodalversammlung am vergangenen Wochenende war ein erschütterndes und verletzendes Erlebnis für viele Menschen in unserer Kirche wie auch um sie herum. Besonders enttäuschend ist die Tatsache, dass sich zu wenige Bischöfe im Vorhinein entsprechend positioniert hatten. Das hatte zur Folge, dass das Nichterreichen der Zweidrittelmehrheit der Bischöfe aus unserer Perspektive nicht vorhersehbar war. Zu schlecht hatten sowohl die Deutsche Bischofskonferenz als Ganzes als auch die zukunftsorientierten Reformbischöfe als ein Teil dieser offenbar die gemeinsame Haltung besprochen und vorbereitet, um die gewaltbegünstigenden Strukturen in unserer Kirche durch den – von ihnen initiierten – Synodalen Weg nachhaltig und menschennah zu reformieren, statt ihn so nah an die Grenze des endgültigen Scheiterns zu bringen.

Entsprechend unseres Beschlusses „Sexualität – ein Geschenk Gottes!“ der Diözesanversammlung im Februar 2022 betrachten wir die Ablehnung des Grundtextes gleichzeitig als ein gefährliches Scheitern der notwendigen Weiterentwicklung in unserer Kirche mit menschenfeindlicher Signalkraft. Für viele Menschen und Gläubige, ganz besonders für junge Menschen in Deutschland, ist die geltende und nun bekräftigte Sexuallehre unserer Kirche so fernab ihrer Lebenswelt und ihrer individuellen Identitäten, dass sie an Relevanz nahezu unwiederbringlich eingebüßt hat. Gleichzeitig können und wollen wir weiterhin nicht akzeptieren, dass Menschen allen Alters in unserer Glaubensgemeinschaft durch die lehramtlich bekräftigte Sexualethik in ihrer Identität und Orientierung nicht wahrgenommen und wertgeschätzt werden. Diese Haltung entspricht nicht unserem Verständnis eines alle Menschen liebenden Gottes.

In diesem Kontext wollen wir Erzbischof Stefan als BDKJ Hamburg klar und laut den Rücken stärken und uns bedanken: Wir freuen uns über seine Klarstellung zu seinem Ja für den gescheiterten Grundtext und stimmen ihm zu, dass es sich hier um „ein[en] Beitrag gegen alle Diskriminierung – jedenfalls ein[en] Versuch dagegen – und gegen Angst“² handelt. Ebenso unterstützen wir sein weiteres progressives Abstimmverhalten bspw. zum Grundtext „Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche“ und zum Handlungstext „Lehramtliche Neubewertung der Homosexualität“. Unsere Bischöfe sind unangemessenen und radikalen Anfeindungen ob ihrer Progressivität ausgesetzt – deswegen ist es uns wichtig,uns in dieser Thematik als Verband deutlich hinter Erzbischof Stefan und Weihbischof Horst zu stellen.

Zugleich darf diese Beschlusslage keinen Stillstand bedeuten, sondern muss mit intensivierter Aktivität beantwortet werden. Wir fordern deswegen von unseren Bischöfen:

  1. Erzbischof Stefan, gehen Sie voran gemäß des von Ihnen gesetzten Mottos „Herr, erneuere deine Kirche und fange bei mir an“: Es liegt seit Monaten ein gutes Positionspapier des Runden Tischs Sexualität und Kirche in unserem Erzbistum vor, das nicht nur Diskussionsgrundlage sein kann, sondern das durch In-Kraft-Setzen – gemeinsam mit dem Grundtext – auch verstanden werden wird als deutlicher Schritt unseres Erzbistums in Richtung einer erneuerten, menschennahen Kirche. Die Zeit, auf den Synodalen Weg zu warten, ist spätestens nach der IV. Synodalversammlung verstrichen – beteiligen Sie sich also an einer „Koalition der Willigen“³! Wir fordern ein Vorangehen unserer norddeutschen Kirche, um als Vorbild und Leuchtturm in andere Bistümer zu strahlen.
  2. Erzbischof Stefan und Weihbischof Horst, setzen Sie sich lauter und deut-licher in der Öffentlichkeit wie auch in der (bevorstehenden) Versammlung der Deutschen Bischofskonferenz dafür ein, dass die Ernsthaftigkeit, mit der der Synodale Weg gegangen wird, zunimmt: Honorieren Sie die Arbeit in den Foren, durch breite Anwesenheiten in Hearings und durch Mitarbeit, nutzen Sie die Gelegenheit zur Diskussion auf den Antragsplattformen, übernehmen Sie Verantwortung für die Menschen in Ihren Bistümern und in unserer Kirche gemeinsam bewusst und positionieren Sie sich in Ihrer Funktion als Führungspersonen und Kirchenpolitiker öffentlich und eindeutig.
  3. Weihbischof Horst, positionieren Sie sich deutlich in Bezug auf Ihr Abstimmungsverhalten zum Grundtext „Leben in gelingenden Beziehungen – Grundlinien einer erneuerten Sexualethik“, um ein klares Zeichen für die Wahrung von Menschenrechten in unserem Erzbistum zu setzen und den Druck auf die anonymen, diskriminierenden Blockierer zu erhöhen.

Einstimmig beschlossen am 17.09.2022.

1 Schwester Katharina Kluitmann OSF am 08.09.2022
2 Erzbischof Stefan Heße am 08.09.2022
3 Bischof Georg Bätzing am 08.09.2022

Download: Erzbistum Hamburg als Leuchtturm menschenzugewandter Sexualethik

 

By | 2022-09-19T16:00:39+02:00 September 19th, 2022|katholisch, Prävention, Theologie der Verbände|0 Comments

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