Đỗ Anh Lân

Am 31. August 1980 stirbt 18-jährige Đỗ Anh Lân im Unfallkrankenhaus Boberg. Neun Tage lang hatte er mit dem Tod gerungen, nachdem über 40 Prozent seiner Haut bei einem Anschlag auf seine Unterkunft für Schutzsuchende verbrannt waren. Sein Zimmergenosse Nguyễn Ngọc Châu (22) starb nur wenige Stunden nach dem Anschlag an den schweren Verletzungen.
Den Anschlag hatten zwei Mitglieder der rechten Terrorvereinigung „Deutschen Aktionsgruppen“ verübt: Raymund Hörnle (50) und Sibylle Vorderbrügge (24). Durch eine Meldung im „Hamburger Abendblatt“ vom 21. August 1980 hatten die beiden Rechtsterrorist*innen von der Unterkunft erfahren.

Kurz nach Mitternacht des 22. August 1980 schmierten Vorderbrügge und Hörnle zunächst „Ausländer raus“ in roter Farbe an die Vorderseite der Unterkunft. Danach schleuderten sie drei Molotowcocktails durch ein Fenster im Hochparterre. Die Brandsätze landeten im Zimmer 34, wo Châu und Lân schliefen. Weil die jungen Männer abgeschlossen hatten, konnten die anderen Schutzsuchenden erst helfen, als es Lân brennend und blutend gelang, die Tür zu öffnen.

Zwei Jahre war Lân schon auf der Flucht, als der Schüler aus Saigon im Rahmen einer Hilfsaktion der Wochenzeitung „Die Zeit“ am 14. August 1979 von der malaysischen Insel Pulau Bidong nach Hamburg ausgeflogen wurde. Als Angehöriger der drangsalierten chinesischen Minderheit hatte er in Vietnam die Schule verlassen müssen und sich allein auf die Flucht begeben, weil das Geld für seine Eltern nicht gereicht hatte.

Am 1. September 1980 werden Vorderbrügge und Hörnle in Hannoversch Münden festgenommen. Im Januar 1982 beginnt der Prozess gegen die sogenannten „Deutschen Aktionsgruppen“ vor dem Stuttgarter Oberlandesgericht. Nach fünf Monaten verurteilt das Gericht Vorderbrügge und Hörnle am 28. Juni 1982 wegen zweifachen Mordes und versuchten Mord in mehrfachen Fällen zu lebenslänglicher Haft. Inzwischen haben die beiden ihre Haft abgesessen.

Lân und Châu werden auf dem Öjendorfer Friedhof begraben. Ca. 400 Menschen nehmen an der Trauerfeier für Lân und Châu teil. Hans-Ulrich Klose, Hamburgs Erster Bürgermeister hält eine Trauerrede.
Dennoch gerät der Mord an Lân und Châu schnell in Vergessenheit. 2014 gründete sich die „Initiative für ein Gedenken an Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân“. Doch bis heute erinnert an dem Haus in der Halskestraße 72 weder Tafel noch Gedenkstein an den tödlichen Anschlag. Auch die Forderung der Initiative nach einer Umbenennung der Halskestraße und einer nahegelegenen Bushaltestelle wurden bislang nicht erfüllt. Nur am Öjendorfer Friedhof erinnert inzwischen eine Gedenksäule an Lân und Châu – in der Nähe ihrer vor Jahren schon ausgehobenen Grabstellen.

By | 2021-04-12T23:54:53+02:00 März 31st, 2021|Rechte Gewalt|0 Comments

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